Aktenzeichen XY vom 20. Januar 2016

Quelle Phantombild: Polizei

Als sein persönliches “Highlight” der vergangenen Sendung am Mittwochabend bezeichnete Rudi Cerne gegenüber FOCUS Online, dass es gelungen sei, ein neues Phantombild eines der männlichen RAF-Terroristen auszustrahlen, welches anhand einer Zeugenaussage erstellt werden konnte. Erst kurz vor der Sendung war der Zusammenhang zwischen den Überfällen auf Geldtransporter in Niedersachsen und den ehemaligen RAF-Terroristen Klette, Staub und Garweg bekannt geworden. Der Rückblick.

Das neue Phantombild eines der RAF-Terroristen Quelle: Polizei
Das neue Phantombild eines der RAF-Terroristen
Quelle: Polizei

Noch während der Sendung gingen rund 100 Hinweise zu den Überfällen ein, diese Zahl steigerte sich nach der Sendung noch auf über 200. Von besonderem Interesse war hier vor allem das erwähnte neue Phantombild eines der Terroristen (Staub oder Garweg), welches durch die Beobachtungen eines aufmerksamen Zeugen nach dem Überfall in Wolfsburg Ende Dezember erstellt werden konnte. Hier hatte sich einer der Männer unmaskiert gezeigt. Zur Qualität der Hinweise sagte eine Sprecherin von Aktenzeichen XY … ungelöst gegenüber der BILD, dass es “sehr vielversprechende Hinweise auf konkrete Personen und Orte” gebe, an denen sich die Täter aufhalten könnten. Bereits am Donnerstagmorgen musste Lutz Gaebel von der Staatsanwaltschaft Verden dann aber eingestehen, dass die “berühmte heiße Spur” bisher nicht unter den Hinweisen gewesen sei. Nichtsdestotrotz würden alle Angaben der Zuschauer nun noch einmal genau geprüft. [1] [2] [3] [4]

Der wohl eindringlichste Moment der vergangenen XY-Ausgabe war der Appell von Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt an den Täter und mögliche Mitwisser im Vermisstenfall Uta Flemming:

Seit Uta Flemming im Juli 1985 urplötzlich verschwand, sind ihre Eltern und ihre Freunde durch die Hölle gegangen. Utas Mutter lebt auch heute noch mit der schrecklichen Ungewissheit, ob sie Uta jemals in Würde bestatten kann. Dies’ ist der letzte und der einzige Wunsch einer verzweifelten Mutter. Wir glauben, dass Sie als Beteiligter Utas Tod nicht geplant haben und dass auch Sie Ihren Seelenfrieden seither nicht gefunden haben. Das verbindet Sie für immer mit Utas Schicksal und dem ihrer Familie. Im Namen der Familie Flemming bitte ich Sie: Lassen Sie uns wissen, wo wir Utas Leichnam finden können, damit wir Uta an die Familie zurückgeben können. Lassen Sie uns wissen, wann und wie Uta gestorben ist – wenn Sie möchten auch anonym, damit ihre Familie endlich ihren Frieden finden kann. Bitte geben Sie uns Uta zurück!

Seit Juli 1985 wird Uta Flemming vermisst Quelle: Screenshot ZDF
Seit Juli 1985 wird Uta Flemming vermisst
Quelle: Screenshot ZDF

Helge Cassens, Sprecher der Polizei Verden, gab gegenüber der BILD an, dass durch die Ausstrahlung bei XY über 30 Hinweise eingegangen seien. Eine besonders wichtige Spur sei hierbei Utas Fahrrad der Marke “Kalkhoff”, welches bis heute verschwunden ist. Uta Flemming, die die 11. Klasse des Gymnasiums an der Loger Straße in Osterholz besuchte und sportlich aktiv war, wollte am 3. Juli 1985 eine Schulfreundin besuchen. Mit dem schwarzen Damenfahrrad (mit Alu-Schutzblechen) machte sie sich auf den Weg von ihrem Elternhaus in der Lindenstraße zum Wohnhaus der Freundin und wurde dort zuletzt auch noch lebend gesehen. Seitdem fehlt von der damals 17-Jährigen jede Spur. Eine großangelegte Suchaktion im Stadtgebiet mit Hundestaffeln, Polizeihubschraubern und Vermisstenplakaten brachten keinen Hinweis auf Uta Flemming, die in ihrer Heimatstadt auch in der Kirchengemeinde sehr aktiv war.

Kalkhoff "Comtesse" Quelle: Screenshot ZDF
Kalkhoff “Comtesse”
Quelle: Screenshot ZDF

Am Tag ihres Verschwindens trug Uta Flemming eine türkis-blaue Windjacke und eine gelbe Hose. Ihre Haare trug sie im sog. Pagenschnitt. Schon seit längerem wird vermutet, dass sie einem Serienmörder zum Opfer gefallen sein könnte. Zwischen 1977 und 1987 verschwanden 13 junge Frauen zwischen Bremen und Cuxhaven. Einige der in diesem  (als „Todes-Dreieck“ bekannt gewordenen) Gebiet begangenen Morde konnten in der Zwischenzeit aufgeklärt werden. Dass die bisher ungeklärten Fälle in einem Zusammenhang stehen, kann aber zumindest nicht ausgeschlossen werden. [1] [2]

Zum äußerst ungewöhnlichen Raubüberfall im Emsland gingen nach der Ausstrahlung bis zum Donnerstag insgesamt 12 Hinweise ein. Der Überfall hatte sich am 9. April 2015 in den Räumlichkeiten des Juweliers Hölscher in der Innenstadt von Nordhorn (Niedersachsen) ereignet. Gegen 10 Uhr betraten die drei maskierten und bewaffneten Täter das Geschäft und bedrohten die beiden Angestellten. Einer der Männer schlug mit einer Axt die Rückwand der Schaufenster ein. Ganze 49 Sekunden dauerte der Überfall nur und dennoch konnten die Täter mit 37 Breitlinguhren im Wert von mehr als 100.000€ entkommen. So gezielt wie scheinbar die Tatausführung war, so ungewöhnlich war der eingeschlagene Fluchtweg. Die Täter flüchteten mit einer Sporttasche, in welcher sie die Uhren verstaut hatten, zunächst Richtung St. Augustinus-Kirche und weiter in den Stadtpark, in welchem sie mit einem Schlauchboot auf das andere Ufer der Vechte übersetzen. Hier ließen sie das Boot und Teile des Tatwerkzeuges zurück und flüchteten weiter zu einem zuvor in Bad Bentheim gestohlenen VW Golf mit dem Kennzeichen NOH-JC 99.

Bereits vor der Ausstrahlung des Falls führten DNA-Spuren zu zwei der drei Täter, die in Deutschland und Litauen in Haft sitzen. Ein weiterer Täter ist aber immer noch flüchtig und auch die wertvolle Beute ist bis heute verschwunden. Die Hinweise der Zuschauer bezogen sich leider hauptsächlich auf das benutzte Boot und die Softair-Waffen. Eine “heiße Spur” zum dritten Täter war nicht darunter. [1] [2]

Ein weiteres Thema der Sendung war der Online-Betrug mit einer Ferienwohnung in Kühlungsborn (Mecklenburg-Vorpommern). Bisher Unbekannte hatten hierzu die nicht einmal existente Unterkunft in zwei Online-Portalen und bei eBay inseriert und sie an gleich mehrere Interessenten vermietet und die Miete kassiert. Erst vor Ort wurde den meisten der Opfer klar, wie übel ihnen mitgespielt wurde. In der Sendung am vergangenen Mittwoch wurden nun sowohl Phantombilder zweier Verdächtiger gezeigt als auch ein Telefonmitschnitt ausgestrahlt. Zu den Bildern und der Stimme meldeten sich rund 50 Hinweisgeber und konnten zum Teil auch explizite Namen nennen. Laut Polizeisprecherin Isabel Wenzel der Kripo Rostock würden diese Hinweise nun in der Hoffnung auf nähere Erkenntnisse ausgewertet. [1]

Ebenfalls 12 Hinweise gingen nach der Ausstrahlung zu einem Überfall auf ein Leihhaus in Neuss ein. Wie Polizeisprecherin Daniela Dässel gegenüber RP Online mitteilte, handelte es sich bei diesen Hinweisen vor allem um Informationen zum auffällig präparierten Tatwerkzeug, aber auch zu weitern tatrelevanten Umständen. Der Überfall ereignete sich am 30. März 2015 in einem Geschäft in der Michaelstraße. Zwei Männer betraten gegen 12.40 Uhr die Räumlichkeiten, drängten die Angestellte in einen Büroraum und fesselten und bedrohten sie. Nachdem die Täter mehrere hochwertige Armbanduhren aus der Auslage gegriffen hatten, konnten sie in Richtung Peter-Wilhelm-Kallen-Straße flüchten. Dem zum Glück unverletzten Opfer des Überfalls gelang es nach einigen Minuten die Polizei zu verständigen. Die beiden etwa 25-30 Jahre alten Männer waren ca. 180-185cm groß, waren dunkel gekleidet und hatten ein südeuropäisches Erscheinungsbild. [1]

Wie zuletzt gewohnt war Aktenzeichen XY … ungelöst quotentechnisch auch in der ersten Ausgabe des neuen Jahres nicht zu stoppen. 5,77 Mio. Zuschauer entschieden sich für das ZDF und bescherten einen Marktanteil von 17,5% und damit den Tagessieg. Die nächste XY-Sendung läuft am 10. Februar 2016, wie gewohnt um 20.15 Uhr.

 

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