Der Sexualmord an Christiane Flörke

Christiane Flörke († 26) Quelle: ZDF

In der Frankfurter Bürostadt Niederrad haben im Jahr 1986 ca. 350 Firmen mit rund 20.000 Mitarbeitern ihren Sitz. Während tagsüber dementsprechend geschäftiges Treiben herrscht, gleicht das Gewerbegebiet vor allem in den Abendstunden einer Geisterstadt. Ein Umstand, der im Dezember 1986 – vor gut 27 Jahren – zu einer Überfallserie auf Frauen führte, die in einem abscheulichen Verbrechen gipfelte: dem Sexualmord an Christiane Flörke. Der Fall führte zu einer großen Verunsicherung in der Bevölkerung und ist bis heute ungeklärt. Aus der medialen Berichterstattung ist er nahezu verschwunden. Daher soll an dieser Stelle an ihn erinnert werden.

Alles beginnt am 3. Dezember 1986.Die Angestellte Monika Schuster (wie sie im XY-Filmfall genannt wird) verlässt gegen 18 Uhr ihren Arbeitsplatz in der Bürostadt um sich in den Feierabend zu begeben. Da sie auf die Straßenbahn – welche die Hochhäuser an der Lyoner Straße mit dem Bahnhof Frankfurt-Niederrad verbindet – zu lange warten müsste, beschließt sie, zu Fuß zu gehen. Doch schon kurz hinter der Straßenbahnhaltestelle wird sie plötzlich von einem Mann, welcher im Gebüsch gelauert hatte, attackiert.
Zum Glück befinden sich zu diesem Zeitpunkt zwei Passanten in unmittelbarer Nähe und kommen zu Hilfe, bevor Schlimmeres passiert. Etwa 20 Minuten nach Monika Schuster verlässt auch die Programmiererin Ulla Reichenberger ihren Arbeitsplatz. Sie arbeitet bei derselben Firma und nimmt ebenfalls den Fußweg in Richtung S-Bahnhof. Auch sie wird von einem Mann attackiert, der zuvor scheinbar im Gebüsch gelauert hatte. In der späteren Vernehmung beschreiben die beiden Frauen den Mann jedoch sehr unterschiedlich. Ob es sich tatsächlich um zwei verschiedene Täter gehandelt hat, ist bis heute ungeklärt.

Wer kennt diesen Mann? Er hielt sich am Abend des 5.12.1986 in Frankfurt-Niederrad auf. Quelle: ZDF
Wer kennt diesen Mann? Er hielt sich am Abend des 5.12.1986 in Frankfurt-Niederrad auf. Quelle: ZDF

Einen Tag später, am Donnerstag, den 4. Dezember 1986, arbeitet die 26-jährige Diplom-Übersetzerin Christiane Flörke, die bei einem international tätigen Ingenieur- und Planungsbüro als Projektassistentin beschäftig ist, etwas länger als gewöhnlich. Um ca. 18.30 Uhr verlässt sie schließlich den Betrieb, um sich auf den Weg in Richtung Straßenbahn zu machen. Von dort aus möchte sie, wie tags zuvor Monika Schuster und Yvonne Reichenberger, zur S-Bahn-Haltestelle Frankfurt-Niederrad fahren, von wo aus sie den Zug in Richtung Sachsenhausen nehmen kann, wo sie sich mit einer Freundin eine Wohnung teilt. Üblicherweise wird sie zum Bahnhof Niederrad von einer Kollegin mit dem Auto gebracht, diese ist an diesem Tag aber bereits eher nach Hause gefahren. Es wird vermutet, dass Christiane Flörke sich dann aber entschieden hat, die 600m von der Lyoner Straße zum S-Bahn-Halt zu Fuß zurückzulegen.

Am Freitag, den 5. Dezember 1986 entdeckt ein Mann aus seinem Bürofenster eine nackte Frauenleiche. Christiane Flörke wurde unmittelbar neben dem Fußgängerweg vergewaltigt und mit ihrem eigenen Schal erdrosselt. Leider brachten weder die Untersuchungen am Tatort noch die Befragung von den beiden zwei Tage zuvor angegriffenen Frauen entscheidende Hinweise. Die Mordkommission verteilt in den kommenden Tagen nicht nur Flugblätter in der Umgebung des Tatorts, sondern lässt auch Durchsagen in Bussen und Straßenbahnen abspielen, in denen die Bevölkerung um Hinweise gebeten wird. Daraufhin meldet sich ein Mann bei der Frankfurter Kriminalpolizei, welcher angibt, dass vor ihm im Stadtteil Niederrad am Tatabend ein Mann aus einem Gebüsch gesprungen sei. Die beiden Männer hätten sich kurz gegenüber gestanden, danach sei der Verdächtige in Richtung S-Bahn-Haltestelle weggelaufen. Dort habe der Zeuge den mutmaßlichen Täter dann aus den Augen verloren. Durch seine gute Beobachtungsgabe konnte dennoch ein Phantombild angefertigt werden. Der Mann war 30-35 Jahre alt, ca. 180-185cm groß und sportlich. Er hatte kurze dunkelbraune Haare und auf der rechten Wange einen auffälligen roten Fleck. Außerdem präsentierte Eduard Zimmermann in der Aktenzeichen XY – Sendung am 12. Juni 1987, also ein halbes Jahr nach dem Mord, einige persönliche Gegenstände des vermeintlichen Täters, die dem Zeugen aufgefallen waren.

Folgende Bekleidungsstücke und Accessories trug der Mann (Quelle: ZDF)

Bis heute ist fraglich, ob der auf dem Phantombild abgebildete Mann tatsächlich Täter in einem oder mehreren Fällen ist, die sich in diesen Tagen in der Bürostadt zutrugen. In der XY-Sendung im Juni 1987 fragte der zuständige Kriminalbeamte daher im Studio nach weiteren Zeugen, die in den entsprechenden Tagen im Dezember 1986 im Bereich Frankfurt-Niederrad Beobachtungen gemacht haben. Hier bat er vor allen Dingen Gäste des Arabella-Hotels, welches in unmittelbarer Nähe des Tatorts liegt, sich zu melden. Heute ist dieses Hotel das Sheraton Frankfurt Congress Hotel.

Der Mord an Christiane Flörke ist bis heute ungeklärt. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle nach wie vor entgegen.

Sprecherin des Falls ist Isolde Thümmler. Er trug den Arbeitstitel “Lyoner Straße”.

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10 Kommentare

  1. Wenn die Angriffe und der Mord in Niederrad stattgefunden haben, verstehe ich nicht, warum das ehemalige Arabelle, dann Sheraton, heute Westin Hotel eine Rolle spielt. Das Hotel befindet sich in der Frankfurter Innenstadt und etwa 2-3 km von der Niederräder Bürostadt entfernt. Oder mehr. Der Main liegt auch noch dazwischen. War das Hotel früher woanders?

    • Hallo Johanna,

      es handelt sich um das Sheraton Frankfurt Congress Hotel. Das gibt’s nach wie vor und befindet sich in der Lyoner Straße 44-48 in Frankfurt Niederrad…

      Viele Grüße

  2. Hey,
    im voraus: ich bin NICHT der im Blog genannte Zeuge, der eine Aussage gemacht und den Täter angeblich beschrieben hat. Eigentlich wollte ich zu der Sache gar nichts sagen, weil es gar zu kurios klingt, was ich sagen könnte. Auch ist es mir heute nicht mehr möglich, den genauen Tag zu bestimmen, an dem sich folgendes zutrug:

    Ich wohnte damals in Niederrad und war arbeitslos. Des späten Abends ging ich oft i.d. Dunkelheit spazieren, auch durch die Bürostadt und die Lyoner Strasse, ohne dass mir jemals etwas Besonderes aufgefallen wäre.

    Außer an einem Tag: Ich ging die Lyoner entlang Richtung Golstein. Kurz vor dem Arabella Hotel sprang plötzlich ein Mann aus einem Gebüsch auf den Bürgersteig. Er schien sehr erregt, und blieb wie angewurzelt stehen. Ohne in meine Richtung zu blicken, starrte er bloß ca. 2 sek. vor sich hin. Dann drehte er sich links herum, lief vor mir her und querte die Strasse nach der Strassenbahnlinie hin. Der Mann war mindestens 1,80 groß, schlank, von auffallend sportlicher Figur, dunkle, leicht verwahrloste, mittellange Haare. Aufgrund dieser Erscheinung mutmaße ich sein Alter zwischen 25 und 35, max. 40. Zu seiner Kleidung kann ich keine Angaben mehr machen, ist zu lange her. Eine weitere Person habe ich nicht gesehen, besonders niemanden, der vor dem Mann aus dem Gebüsch gestanden, und ihm ins Gesicht geschaut hätte.

    Ich war über diese “Begegnung” natürlich sehr verwundert, dachte aber an kein Verbrechen. An die Fahndungsaufrufe kann ich mich nicht mehr erinnern. War es damals im Dezember, am Tag des Mordes, um 18.30 bereits stockfinster? So habe ich es jedenfalls in Erinnerung.

    Aber die seltsame Duplizität der Ereignisse! Denn ein anderer Zeuge hat ja, wie wir wissen, etwas ähnliches erzählt von einem Mann, der aus einem Gebüsch sprang. Ich bin nicht dieser Zeuge und wüßte nicht, seine Aussage vor dem heutigen Tag schon einmal zur Kenntnis genommen zu haben. Aber ausgeschlossen ist es nicht. Ich meine, mich SEHR GENAU an das hier Geschilderte zu erinnern, und habe bis heute noch niemals Irgendwem davon erzählt. Das Phantomfoto erinnert mich an niemanden.

    Ich sehe nur 2 Möglichkeiten: Entweder es handelt sich wirklich um eine unglaubliche Duplizität der Ereignisse, und mein und sein Gebüschmann haben gar nichts miteinander zu tun. Oder der Zeuge LÜGT!! So braucht er z.B. kein Alibi (das ich ja auch nicht haben kann, sollte es der Mordabend gewesen sein!) wenn er selber als Zeuge am Tatort war! GANZ BESTIMMT war da kein dritter Mann im Spiel, der direkt vor dem Gebüschmann gestanden und ihm ins Gesicht geschaut hätte! Ganz bestimmt nicht!

    Andere Möglichkeit: Ich habe irgendwann mal irgendwie von dieser Zeugenaussage gehört, vielleicht in AZ XY, und es findet nun eine Art verdrehte Rückerinnerung statt, und ich phantasiere mich an die Stelle des Zeugen. Wer gerne an den Weihnachtsmann glaubt, der möge das annehmen.

    Ich werde mich bedeckt halten. Man hält mich nämlich ohnehin schon für ein bisschen verrückt. Über diesen Blog hinaus wird es von mir keine Aussage geben.

    • Hallo nocheinzeuge,

      da in jenen Tagen im Dezember 1986 in Niederrad ja häufiger mal einer oder mehrere Männer aus Gebüschen sprangen, kann es doch durchaus sein, dass es sich so zugetragen hat, wie Sie schildern. Dabei kann es sich dann ja auch um ein weiteres Zusammentreffen mit einem mutmaßlichen Täter handeln, ohne dass ein anderer Zeuge “lügt”. Ihre Beobachtung dürfte – auch über 30 Jahre nach der Tat – für die Frankfurter Polizei dennoch von Interesse sein. Ob Sie sich ggf. an die Stelle des Zeugen phantasieren werden die Ermittler schon herausbekommen.

      Ich würde Sie daher bitten, noch einmal zu überdenken, ob Sie sich diesbezüglich nicht an Ihre örtliche Polizeidienststelle wenden. Lieber eine Aussage zuviel als eine zu wenig.

      Viele Grüße
      Wolfgang (blogxy.de)

  3. Natürlich haben Sie recht. Was ich meine beobachtet zu haben bedeutet nicht, dass der Zeuge lügt. Ich habe die letzten Wochen nochmal versucht mir alles ganz nüchtern und sachlich zu vergegenwärtigen, auch um den Zeitraum einiger maßen einzugrenzen, was nach 30 Jahren nicht ganz einfach ist, und werde mich per email direkt an AZ XY wenden.

  4. Ganz interessant: das Gebäude, bei dem ich nach meiner Erinnerung den Mann aus dem Gebüsch habe springen sehen, ist im Tatort “kalt wie der Tod” (2015) in der Minute 16 für einige Sekunden sehr gut zu erkennen. Sonst nix Neues, außer dass ich mich auch wieder an die sehr auffällige Camouflagejacke erinnern kann. Nur halt an keine 3. Person.

  5. Fall Christiane Flörke, 4.12.1986

    Zitat:
    “In der XY-Sendung im Juni 1987 fragte der zuständige Kriminalbeamte daher im Studio nach weiteren Zeugen, die in den entsprechenden Tagen im Dezember 1986 im Bereich Frankfurt-Niederrad Beobachtungen gemacht haben.”

    Dieser Abschnitt aus Ihrem Artikel wundert mich ein bisschen. Denn eigentlich müßte der zuständige Kriminalbeamte von wenigstens einem weiteren Zeugen gewußt haben, den auch der Zeuge_1 gesehen haben dürfte. Jedenfalls sind sich Zeuge_1 gemeinsam mit dem Buschmann Richtung Niederrad laufend unmittelbar beim Tatort mit dem Zeugen_2 in Gegenrichtung auf dem Bürgersteig begegnet. Der Zeuge_1 schaute dem Zeugen_2 ins Gesicht. Trotzdem fand dieser Zeuge_2 in der fraglichen Sendung AZxy keine Erwähnung, und meines Wissens auch sonst nirgendwo in einer öffentlichen Darstellung des Falles. Sollte der Zeuge_1 den Zeugen_2 gar nicht erwähnt haben? Hat der Zeuge_2 denn wenigstens Eingang in die Akte gefunden? Wenn nicht, warum nicht, so als 2.te Person, die sich zur Tatzeit ganz dicht beim Tatort aufhielt?

  6. Korrektur: der Zeuge_2 hielt sich zur vermutlichen Tatzeit natürlich als 3.Person nur wenige Meter entfernt vom Tatort auf, neben dem Buschmann und dem Zeugen_1, und kann die geschilderte kurze Konfrontation des Zeugen_1 mit dem Buschmann bestätigen.

  7. Die Tatsache, dass der Zeuge_2 nicht aus der Richtung des Tatorts kam, sondern wie ein gewöhnlicher Passant auf dem Bürgersteig Richtung Arabella Hotel ging, und dass er sich nicht bei der Polizei gemeldet hatte war Grund genug, ihn aus den Ermittlungen verschwinden zu lassen?

    In der Sendung AZxy vom… und auch in keiner anderen öffentlichen Quelle des Falles wurde der Zeuge_2 auch nur am Rande erwähnt, trotz seiner Begegnung auf dem Bürgersteig mit dem Buschmann und dem Zeugen_1, die dieser Zeuge in seiner Aussage ja wohl erwähnt haben dürfte,nachdem der Ermittler ihn gebeten hatte, seine Beobachtungen möglichst genau mitzuteilen.

    Die Fernsehprogramme sind heutzutage voll mit Berichten über historische Kriminalfälle. Diese dokumentarisch aufgearbeiteten Fälle dienen allerdings meist nur dazu die Arbeit der Polizei in einem möglichst glänzenden Licht erscheinen zu lassen, wozu sich dann auch die jeweiligen Kommissare vor der Kamera präsentieren dürfen. Da werden selbst Fälle abgehandelt, die Jahrzehnte zurückliegen, aber aufgeklärt werden konnten.

    Obwohl ich mir eine ganze Menge solcher Dokus angeschaut habe war doch nie dieser “rätselhafte” Mord in der Lyoner Strasse im Programm. Einmal der Beitrag xy ungelöst ein Jahr nach der Tat und der dürftige Begleitfilm dazu, im inet von saumäßiger Qualität – das war’s!

    Im XY-Begleitfilm läuft das Opfer übrigens in die falsche Richtung oder auf der falschen Strassenseite, denn es hatte die Hecke (des Kleingartenareals?) links von sich. In Richtung S-Bahn laufend hätte das Opfer aber die Hecke rechter Hand haben müssen. Soviel Genauigkeit sollte schon sein.

    Dieser äußerst dürftige Begleitfilm ist inzwischen aus dem Inet verschwunden.

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