Vorschau: XY … Gelöst! am 15. November 2017

Auffällig beim sog. Brummi-Mörder: Die Leichenfundorte an hessischen und nordrhein-westfälischen Autobahnen (Symbolbild)

1853 geklärte Fälle, darunter 623 Tötungsdelikte und 401 Raubüberfälle: Macht bei 4586 behandelten Delikten eine Aufklärungsquote von 40,4%. Das ist die Statistik, die das ZDF den Zuschauern Anfang August – kurz vor dem 50. Geburtstag der Sendung – präsentierte. Natürlich wurden diese Fälle nicht alle alleine durch die Ausstrahlung bei XY geklärt. Auch neue kriminaltechnische Möglichkeiten oder die 1987 durch das Bundeskriminalamt eingeführte Operative Fallanalyse führten die Ermittler häufig auch noch nach etlichen Jahren auf die Spur der Täter. Das XY-Spezial „Gelöst!“ am morgigen Mittwoch, den 15. November 2017 beleuchtet nicht nur drei XY-Fälle der letzten Jahre, die nach Ausstrahlung gelöst werden konnten. Es nimmt den Zuschauer vielmehr mit auf den schwierigen Weg der Ermittlungen, angefangen bei der Tat und schlussendlich bis zur Festnahme des Täters. Die Vorschau.

Der Brummi-Mörder  
Er ist frisch gebackener Vater, liebevoller Ehemann und – brutaler Serienmörder und Vergewaltiger. Die zwei Gesichter des Marco M. und wie ihm die Polizei auf die Schliche kam. (e110.de)

Die Taten des als Brummi-Mörder in die Kriminalgeschichte eingegangenen Serienmörders Marco M. ereigneten sich zwischen 2003 und 2006. Seinen ersten Mord beging der im Jahr 1978 im hessischen Haiger geborene Fernfahrer am 15. November 2003: Die 32-jährige Prostituierte Nicole U. aus Oberhausen, die auf dem Straßenstrich am Militärring in Köln arbeitete, wurde von Marco M. an jenem tristen November-Samstag in seinen LKW gelockt und dort erwürgt. Ihre Leiche wurde einen Tag später auf einem Parkplatz eines Gewerbegebietes in Dormagen aufgefunden.

Seinen zweiten Mord plante der verheiratete Familienvater, dessen Sohn kurz nach der ersten Tat auf die Welt gekommen war, dann ein knappes Jahr später. Hier blieb es beim Versuch: Am 19. Oktober 2004 lockte Marco M. abermals eine Prostituierte vom Kölner Straßenstrich in seinen LKW. Mit der damals 25-jährigen lettischen Prostituierten Asta J. fuhr er zur Raststätte Dong auf der A57 in der Nähe von Wesel, würgte und vergewaltigte sie und stach schließlich auf sie ein. Die Frau konnte sich in ein angrenzendes Maisfeld retten und entkam so ihrem Peiniger. Da der Brummi-Mörder wohl annahm, dass sie sterben würde, ließ er von ihr ab. Dieser Fall wurde am 10. Februar 2005 als dritter Filmfall bei Aktenzeichen XY … ungelöst ausgestrahlt.

Der zweite vollendete Mord geschah dann wiederum ein Jahr später im Oktober 2005. Die 31-jährige Aneta B. wurde am 24. Oktober 2015 in einer Telefonzelle im hessischen Dillenburg von Marco M. überfallen und in seinen Privatwagen gezerrt. Mit ihr fuhr er zu einem leerstehenden Haus in seinem Heimatort Haiger. Hier missbrauchte und erdrosselte er die Polin, stach mit einem Messer auf sie ein und entledigte sich ihrer Leiche am Rande der A45 bei Siegen-Eisern. Die sterblichen Überreste der jungen Frau wurden erst am 1. November 2005, also eine Woche nach der Tat, entdeckt. Auch dieser Fall war später Thema bei Aktenzeichen XY … ungelöst. Er wurde als Filmfall 1 der Sendung vom 2. März 2006 ausgestrahlt.

Zum letzten Opfer des Serienmörders wurde dann am 8. Juli 2006 die erst 18-jährige Anna S. aus Kassel. Auf ihrem Nachhauseweg überfiel Marco M. die Schülerin, erwürgte sie und verging sich anschließend an ihrer Leiche. Der Leichnam wurde schließlich an einem Rastplatz an der A49 zwischen Kassel und Fritzlar abgelegt und dort kurze Zeit später entdeckt.

Ein im August 2008 veröffentlichtes Phantombild führte schließlich auf die Spur des Mörders. Unabhängig voneinander meldeten sich drei Zeugen bei der Polizei: Alle verwiesen auf den Fernfahrer aus Haiger. Er wurde schließlich am 30. August 2006 von der Soko „Eisern“ in seiner Wohnung festgenommen und legte einen Tag später ein umfassendes Geständnis ab. Darüber hinaus erkannte auch Asta J. ihren Peiniger wieder, eine angefertigte DNA-Probe war positiv. Am 4. Juni 2007 wurde Marco M. dann vom Landgericht Limburg zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Außerdem wurde die besondere schwere der Schuld festgestellt und der Brummi-Mörder zu anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.1)Brummi-Mörder aus: Wikipedia, abgerufen am 14.11.2017

Mord in der Nachbarschaft 
Ein Mann verschwindet spurlos. Es gibt keine Leiche, kein Motiv – und doch geht die Polizei vom Schlimmsten aus. Sie bittet die XY-Zuschauer um Hilfe, mit Erfolg. (e110.de)

Am 4. September 2007 verschwand der damals 69-jährige Walter K.. Der Renter lebte mit zwei weiteren Parteien in einem gemeinsamen Haus im Eifeldorf Oberlascheid (NRW) und genoss dort lebenslanges Wohnrecht. Immer wieder kam es in dem Mehrparteienhaus zwischen Walter K. und einem Nachbarn zu Streitereien. Der Konflikt spitzte sich bereits im Jahr 1988 derart zu, dass Walter K. niedergeschossen und dabei schwer verletzt wurde. Der Täter wurde zu 3 1/4 Jahren Haft verurteilt, aus einem anschließend angeordneten Aufenthalt in der Psychatrie konnte er fliehen. Im Jahr 2000 zog er dann wieder in das Haus in Oberlascheid ein.2)Spektakuläre Wende: Mordauftrag im Fall Walter Klein aus Oberlascheid? aus: Eifel Zeitung, abgerufen am 14.11.2017

Auch weiterhin versuchte der spätere Mörder von Walter K. seinen ungeliebten Nachbarn aus dem gemeinsamen Haus zu vertreiben. Diese Versuche erreichten einen erneuten Höhepunkt, als er der dritten im Haus lebenden Mietpartei den Auftrag erteilen wollte, Walter K. für ihn zu töten. 10.000€ bot er dem Ehepaar, die Leiche seines Nachbarn wolle er anschließend selbst in Spanien verschwinden lassen. Das beauftragte Ehepaar ließ sich nicht auf den Mord ein, sondern verließ nicht nur das Haus sondern auch gleich die Eifel. Als Walter K. dann im September 2007 verschwand, waren die zuständigen Ermittler schnell sicher, dass es sich nicht um ein freiwilliges Verschwinden handelte. Und als der Fall dann in der Sendung vom 16. September 2009 als dritter Filmfall (Arbeitstitel: Mord ohne Leiche) bei Aktenzeichen XY … ungelöst ausgestrahlt wurde, erinnerte sich die Ehefrau wieder an den Mordauftrag, den sie und ihr Mann erhalten hatten. Der damals 55-jährige Nachbar wurde festgenommen und in einem aufsehenerregenden Indizienprozess vom Landgericht Trier, in welchem die ehemalige Mieterin als Hauptbelastungszeugin auftrat, zu lebenslanger Haft verurteilt.3)55-Jähriger muss lebenslang hinter Gitter aus: tageblatt.lu, abgerufen am 14.11.2017 Eine Revision wurde vom Bundesgerichtshof im Jahr 2012 als unbegründet verworfen.4)BGH: Verurteilung im Mordfall ohne Leiche rechtskräftig aus: Focus online, abgerufen am 14.11.2017 Die sterblichen Überreste von Walter K. wurden nie gefunden.

Gewaltsamer Tod
Mareike ist eine hübsche Frau – das wird ihr schließlich zum Verhängnis. Ein Bekannter gerät ins Visier der Polizei. Doch er gibt sich unschuldig. Mit einem Trick wird er schließlich überführt. (e110.de)

Am 13. Oktober 2003 verschwand die 20-jährige Mareike G. aus Waldmünchen im Bayerischen Wald unweit der tschechischen Grenze spurlos. An jenem Montagmorgen erschien die junge Frau nicht an ihrer Arbeitsstelle in einer Textilfabrik. Erst ein halbes Jahr später wurde ihr Leichnam gefunden. Er war in einem Waldstück bei Amberg (Oberpfalz / Bayern) vergraben worden. Doch für bundesweites Aufsehen sorgte der Fall bereits vor dem Fund der Leiche. So kam es nach dem Mord in Mareikes Freundeskreis zu zwei Suiziden und zwei weiteren Versuchen. Die Medien überschlugen sich: Entführung, Drogengeschäfte, Rotlichtmilieu. Spekulationen gab es viele, die Welt am Sonntag titelte am 30. November 2003 sogar Stadt der lebensmüden Mädchen. In der Sendung vom 8. Januar 2004 wurde das Verschwinden von Mareike G. dann als erster Film- und zu diesem Zeitpunkt noch Vermisstenfall ausgestrahlt. Ohne Erfolg.

Auf die Spur des Täters führte die Polizei nach dem Fund des Leichnams schließlich erst die sog. Operative Fallanalyse. Dabei kamen die zuständigen Ermittler auf die Spur des zum Tatzeitpunkt 30-jährigen Stephan B.. Er war ein Arbeitskollege von Mareike und mit ihr seit längerer Zeit befreundet. Mehrfach hatte es in dieser Zeit auch Annäherungsversuche seitens des späteren Mörders gegeben. Mareike lehnte ab, sie wollte nur ein freundschaftliches Verhältnis. Nach seinen späteren Angaben bei der Vernehmung und im Prozess war Stephan B. am 14. Oktober 2013 – dem Tag von Mareikes Verschwinden – durch das offene Schlafzimmerfenster geklettert um ihre Unterwäsche zu stehlen. Dabei wurde er von der jungen Frau entdeckt und zur Rede gestellt. Im Laufe einer Auseinandersetzung erwürgte er Mareike G. schließlich und versteckte ihre Leiche in einem Waldstück in der Nähe von Cham (Oberpfalz / Bayern).5)30-Jähriger gesteht Mord an Mareike G. aus Waldmünchen aus: Die Welt, abgerufen am 14.11.2017

Als Stephan B. drei Wochen später befürchtete, dass die Polizei, die in immer größeren Radien nach Mareike suchte, ihren Leichnam entdecken könnte, fuhr er ihre sterblichen Überreste dann schließlich zum späteren, rund 85 km entfernt liegenden Fundort. Besonders perfide: Mareikes Mörder hatte die Mutter des Mordopfers tatkräftig bei der Suche nach ihrer Tochter unterstützt. Er besuchte sie nach dem Mord häufig, erstellte mit ihr zusammen Suchplakate und verteilte sie in Waldmünchen und Umgebung.6)Seelenqualen für Mareikes Mutter aus: onetz.de, abgerufen am 14.11.2017 Am Montag, den 27. Juni 2005 sprach die 2. Strafkammer des Landgerichts Regensburg schließlich das Urteil gegen den Angeklagten. Nach zwei psychiatrischen Gutachten, etlichen Zeugenaussagen und DNA-Untersuchungen an der Unterwäsche des Opfers wurde Stephan B. zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt.7)Lebenslänglich für Mareikes Mörder aus: onetz.de, abgerufen am 14.11.2017 Ein direkter Zusammenhang zu den Selbstmorden und Suizidversuchen ergab sich indes nicht.

Studiogast: Lydia Benecke

Als Gast im Studio wird Rudi Cerne am morgigen Mittwochabend die Kriminalpsychologin und Schriftstellerin Lydia Benecke begrüßen. Die 35-jährige Bestsellerautorin studierte Psychologie, Psychopathologie und Forensik an der Ruhr-Universität Bochum und wird dabei helfen, die vorgestellten gelösten Fälle aus psychischer Sicht des Täters einzuordnen.

Sendetermin

Mittwoch, 15. November 2017 – 20.15 Uhr – ZDF (Wiederholung: 01:15 Uhr – ZDF | 03:50 – zdfneo)

Ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Nachdem die beliebte Wikipedia rund um Aktenzeichen XY … ungelöst unter xywiki.de bereits seit längerer Zeit nicht mehr erreichbar ist, habe ich die Daten gerettet und neu aufgesetzt. Es ist noch nicht alles Gold was glänzt und viele Sendungsübersichten bedürfen einer Überarbeitung und Aktualisierung.

Ich würde mich dennoch freuen, wenn ihr mal hereinschaut unter wiki.blogxy.de! Eure Anmeldung und tatkräftige Unterstützung ist ausdrücklich erwünscht!

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